Im Bild sehen Sie die Skulptur L'homme  qui marche (1960) von Alberto Giacometti (1901-1966). Der Mensch geht auf sein Ziel zu. Er ist vom Leben gezeichnet. Er ist verletzt. Er ist von den kompetitiven und gegensätzlichen Wünsche und Funktionen seiner Psyche, seines Lebens, verletzt. Seine Seele ist verletzt. Sein Ziel ist die Heilung seines Lebens, seiner Seele. Er ist nackt. Alles Unwesentliche, alles Überflüssige, alle Täuschungen, alles Meinen, Glauben, Wollen, Müssen und Handeln hat er hinter sich zurückgelassen, alle Kompensation und Konditionierung, alle Formalisierung und Fragmentierung, alle Projektion und (Ab-)Spaltung. Er ist allein. Alles Kollektive hat er abgelegt. Es sind die Voraussetzungen, um das Ziel klar und präzise zu sehen, zu erkennen - um das Leben zu erfüllen.


Sie sind der sich verletzende und heilende Mensch 

Sie sind der sich verirrende und wiederfindende Mensch

Sie sind der sich zerstörende oder erfüllende Mensch


Sie sind gleichzeitig zwei Leben:


- ein relatives und ein absolutes

- ein veränderliches, vergängliches und ein unveränderliches, ewiges

- ein partikuläres (einzelnes) und ein universelles

- ein sichtbares, äusseres und ein unsichtbares, inneres

- ein physisch-emotional-rationales und ein geistig-seelisches

- ein unbewusstes, automatisches, kollektives und ein bewusstes

- ein projiziertes und ein wahres, echtes

- ein fragmentiertes (zerstückeltes) und ein ganzes, heiles, heiliges

- ein banales, profanes und ein sakrales Leben

 

Die zwei Leben sind gegensätzlich. Sie widersprechen sich. Sie sind entweder asynchron oder synchron, gegengesinnt oder gleichgesinnt, gleichgestimmt. Das erstere ignoriert das andere. Es verdrängt das andere. Es bekämpft das andere. Es verletzt das andere. Es fragmentiert das andere. Es instrumentalisiert das andere. Es projiziert (überträgt) das andere nach außen, auf Dritte. Es verhindert das andere. Das erstere, das sichtbare, relative, vergängliche, partikuläre, das physisch-emotional-rationale, das unbewusste, automatische, kollektive Leben zerstört sich selbst. Um zu verhindern, dass Sie sich selbst, Ihr Leben, und als Folge davon das Leben anderer verletzen und zerstören, ist erforderlich, dass Sie vom einen zum anderen Leben finden. Das ist ein langer, anspruchsvoller, schwerer, leid- und wonnevoller Weg. 


Es ist der Weg des Erkennens


Er führt Sie zum Erkennen von sich selbst. Er führt Sie zum Erkennen des Destruktiven in sich selbst. Er führt Sie zum Erkennen des Konstruktiven in sich selbst. Er führt Sie zum Erkennen Ihrer Seele, vom Absoluten, Ewigen,von Göttin/Gott/Götter, in sich selbst. Er führt Sie zum Erkennen des Richtigen und des Falschen in sich selbst. Erkennen heißt Unter-Scheiden (Sichten, Sieben). Er führt Sie zur Unter-Scheidung zwischen Ihren Instinkten - Ihren physisch-sinnlichen Wahrnehmungen und Entscheidungen -, Ihren Gefühlen - Ihren emotionalen Wahrnehmungen und Entscheidungen - und Ihren Kalkülen - Ihren instrumentell-rationalen Wahrnehmungen und Entscheidungen - auf der einen Seite und zu Ihren geistig-seelischen Wahrnehmungen und Entscheidungen auf der anderen Seite. Er führt Sie zum Erkennen von dem, was Sie (noch) nicht erkennen. Er führt Sie zur Auflösung des Gegensatzes in sich selbst - zur Heilung, zur Erfüllung des Lebens, zum Frieden, zum Ziel. Im Bild Das Bad der Psyche aus der Erzählung Amor und Psyche sehen Sie den Weg von der Zerstörung zur Erfüllung Ihres Lebens symbolisch als Reinigung dargestellt. Das Wort rein bedeutet sprachgeschichtlich scheiden, sichten, sieben. 


Wenn Sie nicht zur Ihrer Seele finden -

zur Liebe, zur Schönheit, zur Wahrheit und zum Leiden,

zur Sanftheit, zur Bescheidenheit, zur Berührtheit und zur Bewusstheit -, 

zerstören Sie sich selbst.